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Aus dem chinesischen Brauch des Blumenopfers entwickelte sich in Japan seit dem 7. Jahrhundert nach Christus das lkebana als eigenständige Kunstform. Die japanischen Zeichen für diesen Begriff lassen sich übersetzen mit Lebendige Blumen zu ihrer eigentlichen Gestalt bringen. Bestand ein lkebana-Arrangement ursprünglich nur aus lebendigen, vergänglichen Materialien, so läßt seine Entwicklung im 20. Jahrhundert auch die Verwendung von nicht-floralen Materialien wie z. B. Stein, Metall oder Kunststoff zu.
Durch die Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Stilrichtungen, von denen die älteren durch strengere Regeln gekennzeichnet sind, während die seit dem 19. Jahrhundert entstandenen Formen der individuellen Gestaltung durch den lkebana-Künstler größeren Raum lassen. Die ursprünglich japanische Kunstform des lkebana wurde in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Welt bekannt. Spezifisch japanische Traditionen traten damit teilweise in den Hintergrund. lkebana ist eine Kunst, die Hingabe, Empfindung, Phantasie, Geschmack und vor allem Liebe zu den Pflanzen verlangt. Erst genaueres Schauen läßt die Vielfalt der Pflanzen in Linie, Farbe und Form, in Oberfläche, Größe und Charakter erfahren. Man lernt ihre Eigenarten kennen und ihre Wachstumsgesetze im Ablauf der Jahreszeiten. Für die Gestaltung eines lkebana-Arrangements müssen - neben den der Natur abgeschauten Gesetzen - auch die der Kunst beachtet werden, da jedes lkebana zugleich auch als Skulptur anzusehen ist. Wie diese besitzt jedes Arrangement Höhe, Breite und Tiefe. Gerade Linien wirken strenger, kurvige weicher. Während Ruhe und Gleichgewicht sich durch waagerechte oder senkrechte Linien darstellen lassen, vermitteln diagonale Linien den Eindruck von Bewegung. Für die Wirkung von Bedeutung ist natürlich auch die Verwendung warmer oder kalter Farben. Der Eindruck eines lkebana wird schließlich bestimmt durch das Verhältnis von Linien und Massen und durch die Lage des Schwerpunktes. Die Art der Anordnung eines Arrangements vermag das Gefühl von Offenheit, Freude oder Zerstreutheit, von Ruhe oder Zurückhaltung zu vermitteln. Es gibt circa 3000 verschiedene Ikebana-Schulen. Die größten und bekanntesten Schulen sind Adachi, Ikenobo, Ohara, Saga und Sogetsu. Viele Ikebana-Schulen haben Zweigstellen im Ausland und mit Hilfe zahlreicher Ausstellungen, Bücher und Vorführungen fand Ikebana auch in der westlichen Welt nach dem 2. Weltkrieg Einzug. Die Ikenobo-Schule Das Ikenobo-Ikebana wurde Mitte des 15. Jahrhunderts zuerst urkundlich erwähnt. Geschaffen hat es die Priesterfamilie Ikenobo, die nach der Legende seit Anfang des 7. Jahrhunderts im Choho-Tempel zu Kyoto das buddhistische Blumenopfer gepflegt hatte. Seither haben 45 Generationen des Hauses die Ästhetik des Ikebana entwickelt, systematisiert, aufgezeichnet und weitergegeben. Die heute größte Ikebana-Schule wird deshalb als "Stammhaus des Ikebana" bezeichnet. Sie lehrt das majestätisch-feierliche Rikka, das elegant-schlichte Shoka und alle Formen des freien Arrangements Jiyuka. Man kann diese Ikebana-Formen nach der von Ikenobo seit Jahrhunderten entwickelten Harmonielehre entweder in klassisch-traditioneller Weise gestalten, oder im Stil der heutigen Zeit kreativ interpretieren. Ziel ist dabei stets - und bei jedem Arrangement neu - die Herstellung von Harmonie zwischen unserer menschlichen Kreativität und den Wachstumskräften der Natur. Die Ohara-Schule Die Geschichte der Ohara-Schule: Der erste große Wegbereiter eines erneuerten Ikebana ist Unshin Ohara. Als Fusagoro Takada, 1861 in Matsue geboren, wird er in die reiche Kaufmannsfamilie Ohara adoptiert, Seine Ausbildung als Bildhauer gibt er auf und wendet sich der Blumenkunst zu. 1895 Gründung der Ohara-Schule durch Unshin Ohara. Er gestaltet seine eigene Art von Arrangements und präsentiert neu kreierte Stile. Hierzu entwickelt er weite, flache Schalen, die die Gestaltung ganzer Landschaften auf engem Raum ermöglichen (shakei-Technik). Weiter bezieht er die farbenreichen westlichen Blumen in einem Stil mit ein und gründet das Farbschema (shikisai-Technik). Hier ist die erdachte Farbkomposition des Gestalters von Bedeutung. Diese neuen Schöpfungen sind die Geburt des Moribana und bis heute ein Grundstil dieser Schule 1916 Koun Ohara übernimmt die Schule. Er modernisiert die Lehrmethoden, führt die Moribana Ansätze seines Vaters weiter und legt den Klassenunterricht fest. Neu ist auch, daß er Ausstellungen außerhalb der Tempel organisiert und über das Radio lkebana lehrt 1938 Houn Ohara, der dritte Headmaster, entwickelt die für die Ohara-Schule typischen Landschaften, Rimpa- und Bunjin Arrangements. Inspiration für ein Rimpa liefern ihm Rollbilder, Wandschirme und, bemalte Fächer des 17. Jahrhunderts. Chinesische Künste (Literatenmalerei) sind ihm Vorbild für die Bunjin Arrangements. Auf seinen zahlreichen Auslandsreisen gründet er Zweigstellen 1975 Aus Anlaß des 80. Jahrestages wird sein Sohn Natsuki Ohara designierter vierter Headmaster. Natsuki Ohara kreiert 1985 den Stil Hanamai, tanzende Blumen und später die Hana-isho Formen, Blumendesign 1992 Natsuki Ohara stirbt im Alter von nur 42 Jahren 1995 Im März verstirbt 86jährig der amtierende Headmaster Houn Ohara. Die Ohara-Schule feiert im gleichen Jahr in der ganzen Welt ihr hundertstes Jubiläum. Dabei werden Natsuki Ohara posthum zum vierten Headmaster und Wakako Ohara bis zur Volljährigkeit ihres Neffen Hiroki Ohara, dem designierten fünften Headmaster, zur Headmistress ernannt Die Ohara-Schule hat ihre Hauptsitze in Tokyo und Kobe, 125 Chapters in Japan und über 60 Chapters in allen Erdteilen. Spezifisch für die Ohara-Schule ist die Landschaft, das Farbschema, das Bunjin und Rimpa. Dem Zeitgeist folgend erweitert sie ihr Lehrprogramm immer wieder, siehe Hanamai, Hana-isho, und geht mit lebendigen Stilen in das 21. Jahrhundert. Die Sogetsu-Schule Sofu Teshigahara, der schon mit sechs Jahren bei seinen Vater Ikebana lernte, gründete 1926 die Sogetsu Schule, die zu den größten und modernsten Ikebana-Schulen gehört. Sofu machte sie in wenigen Jahren in der ganzen Welt bekannt. Früh schon hatte er sich auch mit kalligrafischen Arbeiten, Reliefs, Tuschmalereien befaßt. Große Anerkennung fanden seine Skulpturen. Im Ikebana brach Sofu mit der Tradition und versuchte neue moderne Wege zu gehen. Dem freien Stil half er zum Durchbruch. Künstlerische Freiheit setzte er vor Tradition und Überlieferung. „Ikebana kann von jedem, zu jeder Zeit an jedem Ort, mit jeglichem Material und Gefäß ausgeübt werden“, war seine These. Als der Meister 1979 verstarb, folgte ihm seine Tochter Kasumi als Leiterin der Sogetsu Schule. Ihre Arbeiten strahlen Leichtigkeit und Eleganz aus, bekannt wurde sie durch ihre Miniaturen. Leider verstarb sie sehr früh und der Bruder Hiroshi, ein bekannter Filmdirektor, übernahm die Leitung (1980). Seine Bambusinstallationen finden große Beachtung in der ganzen Welt. Er verstarb im April 2001 an Leukämie. Seit dem wird die Sogetsu Schule von seiner Tochter Akane Teshigahara geführt. Möchte man Ikebana erlernen, beginnt man zuerst mit den Grundstilen im Moribana. Moribana bedeutet „angehäufte Blumen“ und wird in Schalen gearbeitet. Das wichtigste Merkmal ist das Hervorheben der Linie. Das Anwenden der drei Hauptlinien SHIN, der Himmel, SOE, der Mensch und HIKAE, die Erde bilden die Grundlagen der Schalen-und Vasenarrangements. Bei jeder Variation werden die Hauptlinien in verschiedenen Positionen und Winkeln arrangiert. Hat man die Grundstile ausführlich studiert, beginnt man das Material frei und nach eigenen Ideen einzusetzen. Vier Textbücher der Sogetsu Schule begleiten die Ausbildung, dann ist der Schüler befähigt das Lehrerdiplom der Sogetsu Schule zu erlangen. (Quelle: www.ikebana-bundesverband.de) |
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