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KYUDO - Japanisches Bogenschießen
Der „Weg des Bogens“ (Kyu = Bogen, Do = Weg) Kyudo ist die japanische Form des Bogenschießens mit einem ca. 2,20 Meter langen Bogen im Verhältnis von oben 2 zu unten 1 vom Griff aus gesehen. Diese Bogenform ist seit mehr als 1700 Jahren üblich. Im laufe der Zeit wurden Form, Material und Schießtechnik verfeinert. Ursprünglich wurde der Bogen als Jagd- und Kriegswaffe der Bushi (Samurai/Ritter) benutzt. Das Bogenschießen war durch die Philosophie und Praxis der Bushi und zum Teil auch durch Buddhismus und Shintoismus geprägt. Durch die Zersplittung Japans in viele kleine autonome Gebiete, entstanden auch verschiedene Techniken des Schießens. Diese wurden in Schulen (Ryu) jeweils vom Meister an den Schüler weitergegeben. Neben Kendo, Iaido etc. ist Kyudo eine der traditionellen Budo-Übungsformen. Heute die meditativste, introspektivste, auch friedlichste der fernöstlichen Kampfkünste. Wird deswegen auch oft "Zen-Bogenschießen" genannt oder "Zen in Bewegung". Kyudo entsteht aus dem paradoxen Zusammenspiel von äußerster Gespanntheit und tiefster Gelassenheit; von zeremonieller Form und jenem Moment spontaner Freiheit, das beim Auslösen des Pfeils auftaucht. Im Gegensatz zum westlichen Bogenschießen wird das Schussgeschehen im Kyudo von festgelegten Schritt- und Bewegungsfolgen umrahmt. Es entsteht ein Bereich gesammelter Aufmerksamkeit und Atemkraft. Der oder die Übende öffnet beim Auslösen des Pfeiles beide Arme. Der linke Arm, der den Bogen hält, stößt nach vorne, der rechte angewinkelte Arm, der Sehne und Pfeil hält, schnellt nach hinten, sodass der Schütze nach dem Schuss ganz offen dasteht. Nicht das Treffen ist vorrangiges Ziel, sondern die genaue und hingebungsvolle Ausführung der gesamten Übung. Das Treffen wird daraus folgen. Diese Bewegung beim Abschuss macht das japanische Bogenschießen besonders befriedigend, andererseits besonders schwierig. Denn nur wenn ein relativ hohes Maß an harmonischem Ausgleich zwischen links und rechts, Ziehen und Drücken, oben und unten, Tun und Geschehenlassen herrscht, trifft der Pfeil auf das kleine, 28 Meter entfernte papierene Ziel. Aufgrund dieser Verhältnisse, werden sowohl Frustration und Verspanntheit wie auch Glück und Gelöstheit im Kyudo stärker empfunden als im westlichen Bogenschießen. Shomen-Kyudo ist die in Japan weitest verbreitete Schulrichtung, die die Mitte zwischen Meditation und Sport, zwischen Zeremonie und Technik, Körper und Geist anstrebt. Sie wurde als Integration verschiedener Kyudo-Stile gegründet und hat im Spirituellen eine große Nähe zum Zen. Der Bewegungsablauf Hassetsu, die acht Stufen des Schiessen, stellen einen vollen, nicht unterbrochenen Zyklus dar. Man kann einen Schuss mit einem Bambuszweig vergleichen, der acht Knoten aufweist. Einerseits kann man die acht verschiedenen Knoten als individuelle Gebilde wahrnehmen, andererseits aber sind diese Knoten durch den Zweig miteinander verbunden und formen somit ein Ganzes - sie gehören zu einem einzigen Zweig. Ashibumi - der Stand, Dozukuri - das Stabilisieren des Körpers, Yugamae - das Vorbereiten des Bogens, Uchiokoshi - das Heben des Bogens, Hikiwake - das Öffnen des Bogens, Kai - der volle Auszug, Hanare - das Lösen, Zanshin - die verbleibende Form/der verbleibende Geist Zu sehen ist dieser Bewegungsablauf in diesem kleinen Film. Die Kyudokleidung Gi (着, jap.) ist die weisse Trainingsjacke, die unter anderem auch im Kyudo getragen wird. Beim Gi der Männer befindet sich im Unterschied zum Gi der Frauen eine ca. 10cm lange Öffnung unter der Achsel. Das Hakama (袴, jap.) ist Teil der traditionellen japanischen Oberbekleidung. Es ist ein um 1600 entwickeltes Beinkleid, das über dem Kimono getragen wird und in zwei Varianten anzutreffen ist: mit geteilten Beinen wie ein Hosenrock, oder ohne Teilung wie ein Rock, und wird heute gleichermaßen von Frauen wie Männern getragen. Seinen Ursprung hat das Hakama als Beinschutz berittener Samurai der Edo-Periode gegen Sträucher und Gestrüpp. Bis zum zweiten Weltkrieg war es durchaus normal, in der Öffentlichkeit Männern in Hakama und Haori zu begegnen. Danach wählten immer mehr Japaner westliche Kleidung für den Alltag. Heutzutage wird das Hakama mit Beinteilung im Kyudo getragen. In Kampfkunstkreisen werden die sieben Falten des Hakama gerne mit den sieben Tugenden der Samurai assoziiert: Jin (仁, jap.) - Güte Gi (義, jap.) - Gerechtigkeit/die rechte Entscheidung Rei (礼, jap.) - Höflichkeit/Etikette Chi (智, jap.) - Weisheit/Intelligenz Shin (信, jap.) - Aufrichtigkeit Chugi (忠義, jap.) - Loyalität Meiyo (名誉, jap.) - Ehre/Respekt Obi (帯, jap.) ist der Gürtel. Er dient funktional zum Zusammenhalten des Gi und um das Hakama daran zu befestigen. Der Obi ist immer aus kräftigem Stoff, meistens Baumwolle und üblicherweise ca. 4 cm breit. Er wird mit einem Knoten gebunden. Dieser Knoten ist für Frauen und Männer unterschiedlich. Die Farbe des Obi hat im Kyudo keine Bedeutung. Er kann einfarbig oder gestreift sein. Tabi (足袋, jap.) sind knöchelhohe Socken mit abgeteiltem großem Zeh. Üblich sind weiße Tabi. Sie ermöglichen beim Kyudo eine besonders gute Bodenhaftung. |
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